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Finanzielle Planung

Miete vs. Kauf: Die Gesamtkostenrechnung

Wie Sie Ihre monatliche Mietbelastung gegen Hypothek, Instandhaltung und Nebenkosten beim Hauskauf abwägen. Mit praktischen Rechenbeispielen.

12 min Lesedauer Anfänger März 2026
Taschenrechner, Notizbuch und Stift auf Schreibtisch neben Häuschen-Modell für Finanzplanung

Die Frage, die sich viele stellen

Sollen wir mieten oder kaufen? Das ist eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen im Leben. Viele Menschen denken dabei nur an die monatliche Miete versus die Hypothekenzahlung. Das ist aber nur ein Teil der Rechnung.

Die Wahrheit ist komplexer. Beim Kauf kommen Instandhaltungskosten, Grundsteuer, Versicherung und Nebenkosten hinzu. Bei der Miete zahlen Sie zwar weniger Kapital auf, verlieren aber die Chance, Vermögen aufzubauen. Außerdem: Es gibt Opportunitätskosten bei beiden Wegen.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie beide Optionen wirklich vergleichen — mit echten Zahlen, nicht mit leeren Versprechen.

Was Sie erfahren

  • Echte Gesamtkostenrechnung für Miete und Kauf
  • Wie Opportunitätskosten in Ihre Rechnung gehören
  • Versteckte Kosten beim Hausbesitz
  • Praktische Beispiele mit realen Szenarien

Was kostet es wirklich zu mieten?

Viele denken, die Miete ist das einzige, was Sie ausgeben. Das stimmt nicht ganz. Die Kaltmiete ist nur der Anfang. Sie zahlen auch Nebenkosten — das sind Heizung, Wasser, Müll, Straßenreinigung und andere Dinge.

In Deutschland liegt die durchschnittliche Nebenkostenabrechnung zwischen 1,50 und 2,50 Euro pro Quadratmeter. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung sind das etwa 120 bis 200 Euro extra pro Monat. Dann kommt noch die Maklergebühr hinzu, wenn Sie die Wohnung wechseln — üblicherweise 2 bis 3 Monatsmieten.

Ein praktisches Beispiel: Sie mieten eine Wohnung für 900 Euro Kaltmiete. Mit Nebenkosten sind das 1.050 Euro. Hinzu kommt Versicherung für Hausrat und Haftpflicht — zusammen etwa 100 bis 150 Euro pro Jahr. Das sind minimal, aber es zählt.

Ausführliche Kostenaufstellung für Mietausgaben mit Kalkulationen
Immobilienmodell auf Schreibtisch mit Hypotheken-Unterlagen und Taschenrechner

Die wahren Kosten des Hauskaufs

Beim Kauf zahlen Sie nicht einfach eine Hypothek. Es kommen viele andere Ausgaben hinzu — manche sofort, manche über Jahre verteilt. Das übersehen viele Menschen.

Zuerst die Nebenkosten des Kaufs: Makler (üblicherweise 5,95 bis 7,14 Prozent des Kaufpreises), Notar (etwa 1 bis 1,5 Prozent) und Grunderwerbsteuer (3,5 bis 6,5 Prozent, je nach Bundesland). Das bedeutet: Für ein Haus im Wert von 400.000 Euro zahlen Sie etwa 50.000 bis 70.000 Euro nur an Kaufnebenkosten.

Dann kommen die laufenden Kosten. Grundsteuer liegt bei etwa 0,3 bis 0,6 Prozent des Wertes jährlich. Hausrat- und Haftpflichtversicherung kosten etwa 200 bis 400 Euro pro Jahr. Und dann ist da noch die Instandhaltung.

Instandhaltung: Der oft vergessene Kostenfaktor

Das ist das, wofür viele Hausbesitzer nicht planen. Das Dach muss saniert werden. Die Heizung geht kaputt. Die Fenster brauchen neue Dichtungen. Das Badezimmer wird renoviert. All das kann teuer werden — sehr teuer.

Die Faustregel

Finanzberater empfehlen, etwa 1 Prozent des Hauswertes pro Jahr für Instandhaltung einzuplanen. Bei einem 400.000-Euro-Haus sind das 4.000 Euro jährlich. Das sind über 330 Euro pro Monat, die Sie zurücklegen sollten.

Realistische Kosten

Ein neues Dach: 15.000 bis 30.000 Euro. Eine neue Heizung: 8.000 bis 15.000 Euro. Neue Fenster für ein Einfamilienhaus: 10.000 bis 20.000 Euro. Eine Badsanierung: 5.000 bis 25.000 Euro. Das addiert sich schnell.

Der Unterschied zu Mietgeben

Als Mieter? Das ist nicht Ihr Problem. Der Vermieter muss sich darum kümmern. Das ist einer der Gründe, warum manche Menschen lieber mieten — keine unerwarteten großen Kosten.

Opportunitätskosten: Das Geld, das Sie nicht anlegen können

Hier wird es interessant. Wenn Sie ein Haus kaufen, müssen Sie Geld für die Anzahlung bereitstellen. Das Geld hätte anderswo angelegt werden können — in Aktien, ETFs, Anleihen oder anderen Investitionen.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Sie kaufen ein Haus für 400.000 Euro mit 20 Prozent Anzahlung — das sind 80.000 Euro. Wenn Sie dieses Geld stattdessen in einen breit gestreuten ETF mit durchschnittlich 7 Prozent Rendite pro Jahr angelegt hätten, wäre aus den 80.000 Euro nach 20 Jahren etwa 310.000 Euro geworden.

Das heißt nicht, dass Sie nicht kaufen sollten. Es heißt nur: Rechnen Sie das mit ein. Das Geld, das in der Immobilie gebunden ist, kann nicht woanders arbeiten.

Wachstumsgraph und Investitionsdiagramm auf Papier mit Stift und Brille

Rechnen wir ein praktisches Beispiel durch

Szenario: Ein Paar mit 80.000 Euro Ersparnissen. Sie suchen eine 100-Quadratmeter-Wohnung in einer deutschen Großstadt.

Option 1: Mieten

Kaltmiete 900 /Monat
Nebenkosten 150 /Monat
Versicherung 10 /Monat
Monatlich insgesamt 1.060

Nach 20 Jahren: 254.400 Euro Ausgaben. Ihre 80.000 Euro Ersparnisse könnten in einem ETF angelegt sein und bei 7% Rendite zu etwa 310.000 Euro wachsen.

Option 2: Kaufen

Hypothek 850 /Monat
Nebenkosten & Grund­steuer 220 /Monat
Instandhaltung (1%) 330 /Monat
Versicherung 25 /Monat
Monatlich insgesamt 1.425

Nach 20 Jahren: Die Hypothek ist bezahlt. Sie besitzen das Haus und die Nebenkosten/Versicherung fallen weiterhin an, aber keine Hypothekenzahlungen mehr. Vermögen: das Haus (etwa 400.000-500.000 Euro, abhängig vom Marktwert).

Was bedeutet das für Ihre Entscheidung?

Mieten ist sinnvoll, wenn…

  • Sie flexibel bleiben möchten und möglicherweise umziehen
  • Sie Ihr Geld lieber in andere Dinge investieren
  • Sie keine großen Instandhaltungskosten tragen wollen
  • Sie aktuell weniger Kapital verfügbar haben

Kaufen ist sinnvoll, wenn…

  • Sie langfristig am gleichen Ort bleiben möchten
  • Sie Vermögen aufbauen und Stabilität haben wollen
  • Die Hypothekenzahlung nicht wesentlich höher ist als die Miete
  • Sie Ihre Wohnwünsche selbst bestimmen möchten

“Es gibt keine universelle richtige Antwort. Die beste Entscheidung ist diejenige, die zu Ihrer Lebenssituation passt — nicht zu der Ihrer Nachbarn.”

So rechnen Sie es für Ihre Situation

01

Sammeln Sie die Mietkosten

Addieren Sie Kaltmiete + Nebenkosten + Versicherung + Maklergebühr (wenn Sie umziehen). Das ist Ihre monatliche Ausgabe beim Mieten.

02

Berechnen Sie Kaufkosten pro Monat

Hypothekenzahlung + Nebenkosten + Grundsteuer + Versicherung + 1% des Hauswertes für Instandhaltung. Das ist die echte monatliche Last beim Kauf.

03

Vergleichen Sie über 20 Jahre

Multiplizieren Sie die monatliche Last mit 240 Monaten. Berücksichtigen Sie dabei, dass Sie beim Kaufen nach der Hypothek (ca. 20 Jahre) weniger zahlen, aber beim Mieten Ihr Geld anderswo angelegt ist.

04

Rechnen Sie Vermögen mit

Beim Kauf: Das Haus ist Ihr Vermögen. Beim Mieten: Das Geld, das Sie nicht in die Hypothek stecken, könnte investiert sein. Addieren Sie beide Szenarien.

Wichtiger Hinweis

Die Beispiele in diesem Artikel basieren auf durchschnittlichen Werten und dienen zu Informationszwecken. Ihre persönliche Situation ist unterschiedlich — Marktwerte, Kreditzinsen, Lohn und regionale Unterschiede spielen eine große Rolle. Die genaue Rechnung für Ihr Szenario sollte mit einem Finanzberater oder einem Steuerberater besprochen werden. Das hier ist Orientierung, keine Finanzberatung.